„Positives Denken kann den Tod nicht abschaffen“

In der Ausgabe  des Magazins SALON No 15, Sommer 2018, erschien nachstehender Artikel, den ich Ihnen einfach 1:1 zum Lesen geben mag…

… er wurde unter der Rubrik „Tischgespräch“, Stichwort „Loslassen“ gedruckt. Er stammt aus der Feder von Barbara Ehrenreich, 76-jährig (!), studierte Physik + promovierte in Biologie bevor sie Journalistin wurde. Aktuell erschien ihr Buch „Wollen wir ewig Leben?“.

Ganz viel Inspiration beim Loslassen *mit einem freudigen Lächeln* (das hatte ich auch, beim Abschreiben und damit von der eigenen Erwartungshaltung selbst-zu-kreieren…). Vielleicht nehmen Sie den einen-oder-anderen Impuls für sich mit oder für die Grillparty am Wochenende, um ihn mit Ihren Lieblingsmenschen lebhaft zu diskutieren/still zu philosophieren. Vielleicht genießen Sie das Wochenende und Ihr Leben auch einfach-mal. Vielleicht feiern Sie auch JETZT das nicht-optimierte-Ich… *mit einem strahlenden Lachen plus plus*

 

„Der Körper unterliegt nicht unserer Kontrolle: Auch wenn die Fitness- und Wellness-Industrie uns das erzählt. Sechs Argumente von Bestseller-Autorin Barbara Ehrenreich für die Befreiung von Selbstoptimierung.

No 1

Pillen oder ständige Arztbesuche suggerieren uns zwar eine Möchtegern-Kontrolle über unseren eigenen Körper. Aber eigentlich machen wir uns nur etwas vor, indem wir die Verantwortung an eine weitere Instanz weitergeben – die Wellness- und Pharmaindustrie. Unser Körper wird sich davon langfristig nicht aus dem eigenen Rhythmus bringen lassen. Diesen Rhythmus anzunehmen und einfach nur das Leben zu genießen, bringt uns letztendlich mehr Autonomie , als jede Pille es vermag.

 

No 2

Der Preis für ein langes Leben ist eine endlose Plackerei – eine, die wir uns selbst auferlegen. Jedem Fitness-Trend hinterherzurennen, macht vielleicht schlanker, aber nicht unbedingt glücklicher. Und vieles, was als Jungbrunnen verkauft wird, belastet die Knochen, den Magen oder einfach nur die gute Laune. Bewahren Sie Ihre Skepsis und tanzen Sie mit Freude aus der Reihe.

 

No 3

Wir haben nicht ewig Zeit:   Eins ist klar, wir sterben alle. Die Frage ist, wie viel unserer wertvollen Jahre wir dem Projekt Selbstoptimierung widmen wollen. Wir stecken so viel Energie und Lebenszeit in dieses Projekt, dass wir das Hier und Jetzt oft aus den Augen verlieren. Unsere Zeit läuft aber garantiert ab: Deshalb sollten wir zwischendurch innehalten und das Nicht-optimierte-Ich feiern.

 

No 4

In unserer Gesellschaft wird das „Ich“ durch das Zelebrieren von Selbstliebe und Selbstbezogenheit aufgebläht. Auch das Silicon Valley mit seinen Erfindungen hat einiges dazu beigetragen. Zwischen all der Ego-Optimierung neigen wir verstärkt dazu, das Miteinander zu vergessen. Aber zelebrieren wir das Leben nicht viel eher in den Momenten, die wir mit anderen teilen? Im Bepinseln des eigenen Egos jedenfalls nicht.

 

No 5

Oft versuchen wir Krankheiten und Alterserscheinungen durch den Verstand auszutricksen. Gern wird auch der hollistische Ansatz propagiert: Wir sollen daran arbeiten, Körper und Geist in Einklang zu bringen. Sicher, in manchen Lebenslagen mag das helfen. Positives Denken kann aber weder Alter noch Tod abschaffen. Wie so oft bringt eine realistische Sichtweise auch hier die wenigsten Enttäuschungen, sondern einen klaren Blick auf den Lauf des Lebens.

 

No 6

Das Ungewisse und das Unvermeidbare, nämlich unsere Vergänglichkeit zu akzeptieren, nimmt eine große Last von den Schultern. Denn die Frage ist doch: Wie wollen wir die verbleibende Zeit im Leben auskosten? Mit Grübeln über Fragen , über die es keine Antwort gibt? Nehmen Sie der Gesetze der Natur lieber an und leben Sie befreit.“

 

 

photo@fabrizio verrecchia