… es weihnachtet sehr

Ich liebe diesen Text, den Sie (hoffentlich) gleich lesen und bin gerade sehr glücklich und dankbar, ihn auf der ewigen ersten Seite meiner page zu lesen!

Weihnachten ist zum Greifen nahe – ich wünsche Ihnen zauberhafte Tage und Abende, geheimnisvolle Rauhnächte und magische Momente im Kreise der Familie, mit Menschen, die Sie mögen und lieben und somit auch mit Ihnen selbst.

Danke für Ihr Kommen.

Ihre

Sabine Steigner

 

Der Adventskranz

Der Adventskranz ist die Zeit des Lichts. Der Kerzenschein symbolisiert die Weihnachtsnacht, die Nacht der Liebe, in der Gott Himmel und Erde in Christus vereinigte.

Die Liebe beginnt wie das erste Licht, das im Adventskranz entzündet wird – mit der Verliebtheit, der aufflackernden roten Flamme gleich, unsicher und ungestüm, die aus der Begegnung zwischen Zündholz und Docht entsteht. Eine Verliebtheit, wild, heftig, verlangend – und verzehrend in all ihrer Feurigkeit.

Die erste Kerze bedeutet Verliebtheit.

 

Das zweite Licht im Adventskranz ist die Brücke. Die Brücke, die im ersten Licht der Verliebtheit bereits vorhanden war – doch nun erst merkt man, wie sie schwankt. Sie schwankt, weil man erst jetzt beginnt, den anderen wirklich zu SEHEN, nicht mehr in blinder Verliebtheit, sondern so, wie der andere wirklich IST: ein Mensch von Fleisch und Blut, mit denselben Fehlern und Schwächen wie wir alle. Eine Brücke, die schwankt und uns unsicher macht, weil die Vollkommenheit der Verliebtheit etwas anderem Platz zu machen beginnt, das man noch nicht erkennen kann…

Die zweite Kerze ist die Brücke.

 

Das dritte Licht ist die Liebe. Eine Liebe wie das stille Blau der Kerzenflamme, wenn der Docht Feuer gefangen und die Flamme sich beruhigt hat. Eine Liebe, die liebt – nicht trotz der Fehler und Schwächen, sondern gerade wegen. Denn wir lieben nicht das Vollkommene, sondern das, was uns schief macht, was an unserem Lack kratzt. Die Hand, die zittert, wenn es drauf ankommt, oder die Unsicherheit, die plötzlich eine Sekunde lang, die Augen verdunkelt. Denn Schönheit wirkt platt und eindimensional, wenn sie perfekt ist, doch tief und nuancenreich, wo sie auf die Unvollkommenheit trifft: auf den schiefen Mund, die etwas zu lange Nase oder die großen Füße.

Eine Liebe, umfassend, verheißend und bewahrend, die sich wie ein Schutzschild um den Geliebten legt.

Die dritte Kerze ist der Schild.

 

Das vierte Licht ist das, durch das wir gemeinsam gegangen sind und das, was wir immer noch nur erahnen können. Es ist die Weisheit, das Resultat all jener Momente, in denen man erkannte, dass die Liebe nicht nur oben auf dem Gipfel im lauen Wind zu finden ist – sondern auch dann, wenn der Wind bläst und man hinabstürzt und am Fuße des Berges zerschellt. Denn die Liebe nährt sich nicht nur vom Licht und lauer Sommerluft, sondern auch vom Schmerz, vom Missgeschick und von Schwere.

Denn in ihrer Intensität zeigt sich dann, wenn man durch einen kilometerlangen dunklen Tunnel gefahren ist und dann feststellt, daß das Gras auf der anderen Seite etwas grüner und der Himmel etwas blauer ist. Es ist die weise Erkenntnis der Liebe, dass das Glück nicht einem Leben ohne Dornen zu finden ist, sondern im Durchkämpfen von Hindernissen, von Konflikten und Widerstand. Denn Hoffnung und Glaube leuchtet uns durch finstere Zeiten und lässt die Liebe erstarken.

Daher ist die vierte Kerze die Weisheit, die uns mitteilt, dass die Liebe nicht nur das ist, was hinter uns liegt und wonach wir oft das ganze Leben lang suchen, um es zu finden und festzuhalten. Sie ist all das, was noch nicht geschehen ist, was noch vor uns liegt und uns erwartet.

Denn wie der Advent nur ein Vorgeschmack auf Weihnachten ist, so ist die Verliebtheit nur ein Vorgeschmack auf die Liebe, die durch alltags, was wir in unserem Leben gemeinsam durchmachen, wächst und Gestalt annimmt.

Verliebtheit und Brücke, Schild und Weisheit sind die vier Kerzen auf dem Adventskranz der Liebe. Ein Kranz, der am Schönsten ist, wenn man sehen kann, dass wir selbst uns an ihm abgemüht, uns an ihm die Hände blutig gestochen haben – und er am Ende all in seiner Unvollkommenheit da steht, nach all unserer Hände Arbeit und all unserer Sehnsucht und all unseren Träumen.

(Pastorin Kristine Stricker Hestbech)